Haben Sie auch schon nach dem Klick auf «teilen» gedacht - hoppla, da war ich jetzt aber ein bisschen schnell... Für (zu) schnelles Teilen von ungeprüften Nachrichten und Informationen gibt's inzwischen ein neues Wort: mangelnde «Informations-Hygiene». Es stammt aus dem englischsprachigen Raum, im Duden ist es (noch) nicht zu finden.

Entstanden ist «Informations-Hygiene» im Zusammenhang mit einer wachsenden Zahl an (im doppelten Sinne gefährlichen) Falschinformationen zu Covid-19, die vor allem in den Sozialen Medien verbreitet worden sind. Und munter immer noch verbreitet werden. Auch das jährliche Trustbarometer (Vertrauensbarometer) der international tätigen Kommunikationsagentur Edelman behandelt unter anderem die «Informations-Hygiene» im Netz. Denn welche Informationen ich für wahr halte, hat viel damit zu tun, wem ich vertraue.

Nur jede vierte Person hat eine gute Informations-Hygiene

Marie-Christine Schindler ist langjährige, versierte Beobachterin der digitalen Kommunikationskanäle. Sie hat - neben anderen sehr lesenswerten Informationen aus dem Bericht, s. unten - die Abschnitte zur Informations-Hygiene aus dem diesjährigen (englischsprachigen) Edelman-Bericht herausgearbeitet. Gemäss Edelman-Bericht hat nur jede vierte Person eine gute Informations-Hygiene. Dabei wäre dies nicht nur für den privaten, sondern besonders für den beruflichen Umgang mit «News» absolut wichtig. Was also sollten wir tun?

Zu einer guten Informations-Hygiene gehören gemäss Edelman folgende 4 Punkte:

  1. Regelmässige Beschäftigung mit Nachrichten (um eine einzelne Nachricht im Zusammenhang einordnen zu können)
  2. Vermeidung von Echo-Kammern (nicht nur Informationen lesen, welche die eigene Meinung bestätigen)
  3. Überprüfung von Informationen (wer oder was ist die Quelle einer Nachricht und ist diese vertrauenswürdig)
  4. Keine Falschinformationen verbreiten (auch nicht ungewollt oder aus Nachlässigkeit)

Eigentlich selbstverständlich, oder? Doch wir Menschen sind emotionale Wesen. BBC warnt insbesondere dann vor dem «schnellen Teilen», wenn die Emotionen hoch gehen und wir innerlich heftig nicken. Es lohne sich gerade dann, vor dem Teilen einer Nachricht inne zu halten und die Nachricht zu prüfen, so Flora Carmichael und Marianna Spring von der BBC. Auf das sprichwörtliche «Bauchgefühl» zu hören lohnt sich hier besonders. Denn was erst mal draussen im Netz ist, lässt sich nicht mehr zurückholen oder so einfach löschen.

Und hier geht's zu den Quellen: 

Flora Carmichael and Marianna Spring, BBC Trend: Coronavirus: Here's how you can stop bad information from going viral

Marie-Christine Schindler zum Edelman Trust-Barometer 2021

Der Bericht von Edelman im Original auf Englisch

Foto: Unsplash, engin akyurt