«There is no such thing as a free lunch»

«Ein Gratis-Mittagessen, sowas gibt's nicht (wirklich)», dies wäre eine mögliche  deutsche Übersetzung von «there is no such thing as a free lunch». Diese Redensart stammt aus den USA und die Herkunft wird wie folgt erklärt: Barbesitzer offerierten ihren Gästen ein stark gewürztes Gratis-Mittagessen. Natürlich in der Absicht, dass diese mehr Bier, Whisky oder andere (teure) Getränke konsumieren würden, um den Salz-Durst zu löschen. Tja, vieles, was «gratis» daher kommt, hat einen versteckten Preis!

Facebook präsentiert uns die Rechnung im Nachhinein

Und so ist es auch mit dem «gratis» Messenger WhatsApp, der seit 2014 Facebook (einem Unternehmen, keiner Non-Profit-Organisation) gehört. Und Facebook präsentiert uns nun sozusagen im Nachhinein die Rechnung für die WhatsApp-Nutzung. Und die Währung, in der Sie nun bezahlen sollen, sind Ihre Daten. Bis zum 8. Februar müssen Sie den neuen Datenschutzbestimmungen zustimmen. Sonst können Sie WhatsApp nicht mehr nutzen.

Ade WhatsApp - Freund*innen tauchen zahlreich auf anderen Messengern auf

Die Zahl meiner Kontakte, die in den letzten Tagen auf einen anderen Messenger (v.a. Telegram) gewechselt hat, ist hoch. Falls Sie auch schon darüber nachgedacht haben: Ja, es gibt Alternativen. Sie heissen Signal, Threema und Telegram. Alle drei werden übrigens u.a. auch von der Schweizer Stiftung Konsumentenschutz empfohlen. Allerdings rät das deutsche Computer-Fachmagazin Chip von Telegram ab. Hier eine Kurz-Zusammenfassung zu den 3 Messengern für eilige Leser*innen:

1. Signal

Vertrauenerweckend ist, dass der Signal-Messenger durch eine gemeinnützige Stiftung in den USA finanziert wird. Er verschlüsselt alle Nachrichten und Gespräche. Signal ist kostenlos. 
Mehr Infos: www.whispersystems.org 

2. Threema

Threema ist ein Schweizer Messenger (Server in der Schweiz) und kann auch ohne Angabe der eigenen Telefonnummer verwendet werden. Gespeichert wird nur eine zufällig erzeugte ID, keine persönlichen Daten wie Telefonnummer, Adresse, Profilbild oder Gruppen-Teilnehmer*innen. Nutzer*innen bezahlen eine einmalige Gebühr von 3 Franken (ein sehr kostengünstiges «Mittagessen» ;) ).
Mehr Infos: www.threema.ch

3. Telegram

Telegram ist gratis und wohl vor allem wegen seines breiten Angebots an Funktionen verbreitet (z.B. sind Gruppen mit bis zu 250 000 Mitgliedern möglich und das Teilen von grossen Dateien wie Bilder und Videos ist einfach). Allerdings funktioniert die End-zu-End-Verschlüsselung nur, wenn sie  aktiv einschaltet wird. Chip kritisiert aber vor allem, dass sowohl die End-zu-End-Verschlüsselung als auch die Server-Codes geheim sind und somit nicht überprüfbar. Weiter sei unbekannt, wo die Server stehen und welche Datenschutz-Gesetze somit gültig sind.
Mehr Infos: www.telegram.org

Anmerkung zu Telegram: Bedenklich ist bei Telegram ausserdem, dass seit Beginn der Corona-Pandemie rechte Gruppierungen und Corona-Leugner*innen den Messenger nutzen. Andererseits - so schreibt z.B. Focus - hätten sich ohne die Anonymität der App die Proteste in Hongkong und Belarus nicht so breit entfalten können. Als der Russe Pawel Durow 2013 die App entwickelte, sah er sich - laut Focus - «in der Rolle eines Unterstützers von Freiheitskämpfern, die sich weltweit mit liberalen Werten gegen totalitäre Regimes zur Wehr setzen». - Es ist eben kompliziert...

Weitere Infos:

Quellen: Artikel zu den drei Messengern: Konsumentenschutz, PC-Tipp.

Vertieftere Informationen zu Telegram gibt's hier (ebenfalls PC-Tipp.)

Foto: Luke Chesser, Unsplash