Schuhe, Sofas, Portemonnaies: Fast jede*r von uns nutzt Lederwaren. Obwohl sie ein Nebenprodukt der Fleischindustrie sind, ist ihre Herstellung in den meisten Fällen äusserst schädlich für das Klima. Denn die Tierhäute werden beim Gerben im Schnitt in rund 20 Kilogramm Chemikalien gebadet, zum Beispiel Chrom und Schwefelsäure. Der Grossteil des Leders weltweit stammt aus Asien und Südamerika, wo das Abwasser aus den Fabriken ungefiltert in die Natur gelangt. Ausserdem wird etwa ein Drittel des fertigen Leders weggeworfen, weil die Körperform von Tieren nicht quadratisch ist und so Schnittabfälle entstehen. Die Klimabilanz von Leder ist also denkbar schlecht: Ein Quadratmeter Leder benötigt rund 500 Liter Wasser. Höchste Zeit, sich nach geeigneten Alternativen umzusehen.

Schlecht für die Umwelt: herkömmliches Kunstleder

Kunstleder ist schon längst zu einer beliebten Lederalternative geworden, vor allem bei Veganer*innen. Es fühlt sich an wie Leder, sieht aus wie Leder und riecht manchmal sogar nach Leder. Doch statt aus Tierhäuten wird es aus Kunststoffen (z.B. PVC) hergestellt. Das Lederimitat ist robust und relativ günstig. Trotzdem gibt es einen Haken: Wird Kunstleder produziert, so werden meist Schadstoffe in die Umwelt abgegeben und grosse Mengen Plastik verbraucht.

Doch es gibt gute Nachrichten: Mittlerweile wurden verschiedene, täuschend echt wirkende Lederimitate entwickelt – ganz ohne klimaschädigende Kunststoffe.

Ananasleder: nicht wirklich öko

Ananasleder (oder auch Piñatex) besteht aus den Fasern von Ananasblättern. Der Vorteil, dabei ist, dass die Blätter nicht extra gepflanzt werden müssen, sondern beim Ananasanbau als Nebenprodukt entstehen. Nachdem die Landwirt*innen die Fasern für das Piñatex entnommen haben, kommen die Blätterreste wieder als Dünger auf das Feld. Allerdings wird Ananasleder am Schluss mit erdölbasiertem Harz überzogen, wodurch es nicht mehr biologisch abbaubar und auch nicht mehr nachhaltig ist. Hier muss also also dringend nachgebessert werden.

Vom Parasiten zum begehrten Rohstoff: Pilzleder

Diese Lederalternative wird aus dem Zunderschwamm gewonnen, der vorwiegend in Europa heimisch ist. Dieser Pilz ist eigentlich ein Parasit, der geschwächte Laubbäume befällt und einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern erreichen kann. Der Zunderschwamm hat eine angenehm samtig-weiche Oberfläche und eine besondere Leichtigkeit. Das daraus entstandene Pilzleder ist zudem sehr atmungsaktiv und hat sogar stark absorbierende und antibakterielle Eigenschaften. Ein neuerer Trend ist die Züchtung von Pilzleder aus Kombucha-Kulturen. Mithilfe von Essigsäure und verschiedenen Hefearten gewinnt man dabei ein enorm reissfestes, bernsteinfarbenes Pilzgewebe. Dieses ist vielseitig verarbeit- und einsetzbar und wächst sogar in das gewünschte Schnittmuster. So muss kein Abfall entstehen. Das Potenzial von Kombucha-Leders scheint enorm, allerdings gilt es noch nicht als ebenbürtige Alternative zu Textilleder oder tierischem Leder.

Zunderschwamm (Bild: Reinhold Möller)
Samtig weich und ohne Stacheln: Kakteenleder

Wer möchte schon freiwillig Kaktus tragen? Doch Angst vor spitzen Stacheln braucht bei Kakteenleder keine*r zu haben. Im Gegenteil: Es ist angenehm atmungsaktiv, sehr strapazierfähig und sieht dem tierischem Leder zum Verwechseln ähnlich. Kakteenleder (oder auch Desserto) stammt ursprünglich aus Mexiko, wo der Nopal-Kaktus heimisch ist. Diese Kakteenart ist relativ anspruchslos und gedeiht bereits mit wenig Wasser und ohne Düngemittel. Auch bei der Herstellung kommen - gemäss Angaben der Produzenten - keine giftigen Stoffe zum Einsatz, wodurch Kakteenleder biologisch abbaubar ist. Dieses Lederimitat wird bisher vorwiegend für etwas teurere Modeaccessoires, Möbel und Kleidungsstücke verwendet.

Noch in der Experimentierphase: Weitere Fruchtleder

Auch aus anderen Pflanzen lassen sich Lederalternativen herstellen, zum Beispiel aus Hanf-, Mango-, Gurken-, Bananen- oder Apfelfasern. Diese Produktionsarten sind bis heute jedoch noch nicht etabliert.

Eine Alternative zum Basteln: Snap Pap

Für kreative Bastler*innen kann Snap Pap eine Alternative sein. Das Material besteht aus Zellulose (Papier) und Latex (Kautschuk), und ist laut Hersteller frei von klima- und gesundheitsschädlichen Stoffen. Das waschbare, reissfeste Papier in Lederoptik soll sich besonders gut zum Zuschneiden und Vernähen eignen.

CO2-Reduktion unterstützen mit Korkleder

Umweltfreundlich angebaut und verarbeitet ist Kork ein äusserst klimaschonendes Material, das aus der Rinde von Korkeichen gewonnen wird. Der Baum muss dafür nicht gefällt werden, er lebt weiter. Ein besonderer Vorteil: Geschälte Korkeichen speichern bis zu viermal mehr CO2 als ungeschälte! Gerühmt wird Korkleder vor allem für seine atmungsaktive und doch wasserdichte, wärmende Oberfläche.

Unser Fazit zu den Lederimitaten

Mittlerweile gibt es eine grosse Vielfalt an innovativen Lederalternativen, die qualitativ und preislich mit tierischem Leder mithalten können. Klimaschutz auch bei der Kleider- und Schuhwahl ist somit gut möglich. Probieren Sie es doch einmal aus!

Quellen: Pexels/Rachel Claire, Leder Fritz, Peta, Geo, Swissveg, Focus